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25 | 08 | 2019
Linke fordert mehr Einsatz des Bildungsministeriums für polnische Sprache PDF Druckbutton anzeigen?
Um 436 stieg seit 1999 die Zahl der Schüler in Brandenburg, die Polnisch als Pflichtfach haben. Derzeit lernen laut Bildungsministerium insgesamt 2195 Schüler an 38 Schulen bei insgesamt 20 Lehrern Polnisch. 900 Schüler lernen die Sprache der Nachbarn jedoch nur in Arbeitsgemeinschaften oder als sogenannte „Begegnungssprache“. Als benotetes Pflichtfach lernen 1300 Schüler die von rund 56 Millionen Menschen gesprochene slawische Sprache. Das ist der europapolitischen Sprecherin der Linken im Landtag, Gerlinde Stobrawa, zu wenig. Sie warf gestern dem Bildungsministerium in Brandenburg Versäumnisse vor. „Wir haben eine besondere Verantwortung zu unserem Nachbarstaat“, sagte Stobrawa vor Journalisten. Brandenburg teile sich mit Polen eine 250 Kilometer lange Grenze. Dennoch werde die polnische Sprache von der Landesregierung als etwas behandelt, „was links nebenbei mitgemacht wird“. Von den rund 900 Schulen in Brandenburg böten nur 38 Polnisch an. 36 dieser Schulen lägen in der grenznahen Region. Die Richtlinie des Bildungsministeriums, dass Europaschulen nur Einrichtungen werden könnten, die das Fach anbieten, sei wieder zurückgenommen worden. Nur noch acht der 19 Europaschulen unterrichteten derzeit Polnisch. „Mein Problem ist, es wird im Land Brandenburg zu wenig getan, um die Motivation und das Interesse für das Polnischsprechen zu wecken“, sagte Stobrawa. Zum Beispiel seien trotz gegenteiliger Versprechen nach wie vor keine polnische Muttersprachler als Lehrer eingestellt worden. Stobrawa sieht damit langfristig auch wirtschaftliche Chancen vergeben. Schon heute sei es üblich, dass Brandenburger in der grenznahen Region auch in polnischen Betrieben arbeiteten. Der Geschäftsführer des Sprachenzentrums der Europa-Universität in Frankfurt (Oder), Thomas Vogel, gibt der Abgeordneten zum Teil recht. „Die Landesregierung wirbt viel zu wenig für das Polnische.“ Die Grenzregion sei eine einmalige bildungspolitische Chance. Hier könne durch Lehreraustausch gerade in den Grundschulen eine Menge geschehen. Durch ein geeignetes „Sprachmarketing“ müsse der Polnischunterricht schmackhaft gemacht werden.