Startseite Aus meinem Tagebuch 8. Juni - ein Tag wie viele
24 | 10 | 2017
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Fast 200 Teilnehmer waren heute in Eberswalde dabei, als das Bündnis für Willkommenskultur Barnim zur Demonstration gegen Abschiebungen vor dem Landratsamt und der Ausländerbehörde aufriefen. Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und sichtbar viele Flüchtlinge darunter. Das macht Mut. Da warten Menschen nicht, dass man sich für sie einsetzt, sondern sie gehen selber auf die Straße und versuchen Wachzurütteln und zu Mahnen.

Ich glaube ja, dass niemand von den Adressaten diese Kundgebung mitbekam, denn es war ja Feierabend der Behörden. Aber ich hoffe, dass die Medien helfen, auf die Mahnung und die Hoffnung der Menschen aufmerksam zu machen.

Es ist bitter, an der Unmenschlichkeit der Bundesregierung zu scheitern. Nein, wir können sicher nicht die ganze Welt retten, aber Dieter Gadischke hatte völlig Recht, als er daran erinnerte, dass zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg 55 Millionen Europäer den Kontinent Richtung Amerika verlassen hatten, um vor Armut, Elend, Krieg und Ermordung zu fliehen und Amerika die Menschen aufnahm. Doch Europa baut Zäune, Mauern und die Europäische Union und die Bundesregierung versuchen uns mit allen Mitteln klar zu machen, „das Boot sei voll“.
Ich schäme mich - wieder mal!

Ein junger Mann, der mich auf der Demo ansprach und fragte, wo denn DIE LINKEN seien, wenn es um die Freiheit und Gerechtigkeit geht. Auch heute seien nur vier da und ja er hat Recht. Aber ich kann ihm diese Frage nicht beantworten, weil ich nicht weiß, warum nur 5 LINKE heute den Weg zum Markt Eberswalde fanden.

Und wie die Tage sind, anschließend fuhr ich zum Wirtschaftsempfang nach Bernau und durfte miterleben, wie die Stadt ihre Aktivisten ehrte, die sich mit ihrem Geld, ihrer Zeit und ihrem Engagement für die Entwicklung der Stadt einsetzten und einsetzen.
Ein ganz anderes Milieu und doch tun auch sie etwas dafür, dass es uns allen ein stückweit besser geht. Ja, sie feiern sich auch selbst. Aber das ist ok, das Leben ist nicht nur permanenter Kampf, auch Lebensfreude gehört dazu.

Und dann… am späten Abend wieder ein Hilferuf. Die Bundesregierung hat mit einem Gesetz dafür gesorgt, dass Frauen und Männer, die an der gleichen Krankheit leiden wie ich, keine medizinische Rehabilitation mehr erhalten und einige Behandlungen selber bezahlen müssen und sie bitten um Hilfe. Dass sie „nur“ darum kämpfen, trotz Krankheit arbeitsfähig zu bleiben  und vielleicht mit etwas weniger Schmerzen durchs Leben gehen zu können, scheint nicht wichtig. Das macht mich wütend, sehr wütend! Aber was will man erwarten von Menschen, die nicht wissen wie es ist, täglich gegen den Schmerz ankämpfen zu müssen und trotzdem seine Arbeit zu machen.

Ich habe ein neues Betätigungsfeld!!!

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 09. Juni 2017 um 07:46 Uhr