Startseite Aus meinem Tagebuch 07-08-2017 Sprechstunde unter freiem Himmel 2017 beginnt
24 | 10 | 2017
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Heute ging es zum 17. Mal los zu unserer sommerlichen Sprechstunde unter freiem Himmel (SufH). Wir nutzen die Ferienzeit, um außerhalb des Büros mit den Bürgerinnen und Bürgern, im wahrsten Sinne des Wortes, ins Gespräch zu kommen. Begonnen haben wir diesmal in Ostprignitz-Ruppin (da ich auch für diesen Landkreis verantwortlich bin) in dem kleinen Ort Beddin unweit von Wusterhausen. Hier waren wir das erste Mal und so staunten die Einwohnerinnen und Einwohner hinter den Fenstern und Gardinen,

trauten sich aber nicht an unseren wie immer mit Kaffee und Keksen angerichteten Tisch. Mehrere von ihnen fuhren mehrmals an uns vorbei, so als wollten sie ihren Augen nicht trauen. Das allerdings dachten wir auch, als eine Crossmaschine ohne Kennzeichen aber mit weithin sichtbarer 88 vorbei fuhr und ziemlich aufdrehte. Und zwei gesellten sich dann doch noch zu uns, ein Gast und der Betreiber der fast unscheinbaren einzigen Gaststätte des Dorfes, die den seltsamen Namen „Ende 08/14“ trägt.
Auch wenn von außen das Haus den Eindruck macht, als wäre bis auf Fenster und Türen alles älter als 100 Jahre, entpuppte sich diese Gastronomie als ein echter Geheimtipp.
Der Betreiber erzählte uns, dass die Ortsansässigen doch eher die „Kneipe“ meiden und er von Durchreisenden und Catering lebt. Und natürlich erzählte er uns von den Problemen, die so für ihn und sein Unternehmen entstehen und dass es nicht ganz leicht ist, auf dem Land etwas Besonderes zu etablieren. Als wir ihn fragten, ob wir bei ihm auch Mittagessen könnten, bat er uns etwas kreieren zu dürfen. So ließen wir uns überraschen und konnten noch weniger verstehen, warum die Gäste ausbleiben. Wir drei haben selten so gut gegessen, wie in diesem kleinen Dorf. Es gab einen Salat als Vorspeise mit Mangodressing und als Hauptspeise Weizentortilla mit Schwarzbohnenchrem, ein ungewöhnlich zartes Rindermedaillon mit einer außergewöhnlichen Gemüsebeilage, einer frischen Pilzcreme, Bratkartoffeln und mit Avocadocrem sowie einem Tomatenpasteur. Dieses Talent in einer Gaststätte mitten in den Weiten der Ostprignitz. Ich bin sicher, würden die Dorfbewohner einfach mal bei Francesco - so heißt dieser Wunderkoch - essen gehen, hätte das Dorf wieder eine lebendige Kneipe und die Menschen eine Explosion der Geschmacksnerven, so dass man sich nur näher kommen kann.
Und klar ist auch, wir werden wieder nach Breddin fahren und dies nicht nur wegen des Essens, sondern auch in der Hoffnung, dass sich dann die Menschen hinter ihren Fenstern hervor und zu uns auf die Straße trauen.


Unsere zweite Station führte uns nach Wusterhausen an der Dosse in das dortige Familienzentrum. Wir betraten einen großen, hellen und freundlich eingerichteten Raum in der Domstraße 4. Zwei engagierte Frauen empfingen uns mit Kaffee und frisch gebackenem Kuchen. Sie erzählten von ihrer Arbeit und den vielfältigen Angeboten für Kinder, Jugendliche sowie deren Eltern und Großeltern. Dass es für sie selbstverständlich ist, dass auch Flüchtlingsfamilien in die Angebote einbezogen werden, freute mich besonders. Der Ansatz „Hilfe zur Selbsthilfe“ ersetzt wohl für Viele ein stückweit auch die Familienbande, in der in vergangenen Zeiten die Erfahrungen weitergegeben und Probleme besprochen wurden. Ihre Sorge, wie die Finanzierung nach den bisher genehmigten 3 Jahren weiter gesichert werden kann, habe ich für das Gespräch mit dem Landrat des Landkreises mitgenommen. Ich bin sicher, auf solche Angebote wollen und können die Gemeinden nicht verzichten. Es ist ein wichtiges Angebot der präventiven Kinder- und Jugendarbeit.
Es war ein guter Auftakt unseres diesjährigen SufH.

 

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 08. August 2017 um 17:19 Uhr