Startseite Aus meinem Tagebuch 24. August immer noch SufH und „Powerfrauen in Potsdam“
13 | 12 | 2017
24. August immer noch SufH und „Powerfrauen in Potsdam“ PDF Druckbutton anzeigen?

Zerpenschleuse, Ruhlsdorf, Rüdnitz und Biesenthal waren gestern und heute die Stationen. Wir hörten Klagen über die Ungerechtigkeit, die Renten zu besteuern und über die unökologische Abwasserbearbeitung des Klärwerkes Schönerlinde. Hier haben wir versprochen, uns mit diesen Informationen an die zuständigen Stellen zur Überprüfung zu wenden. Wir wurden informiert, dass das

Grundsicherungsamt nicht rechtskonform mit den Bescheiden für geduldete Flüchtlingen umgehen soll und einige Hürden für Flüchtlinge aufbaut, die das Gesetz so nicht vorzieht bzw. in den Ermessenspielraum der Kommunen stellt. Hier haben wir zugesagt, sowohl beim zuständigen Ministerium als auch in der Kreisverwaltung nachzufragen, was wir auch heute noch taten und auf die Antworten warten. Besondern in Biesenthal nutzen einige, auch städtische Fragen anzusprechen, da ich ja hier auch in der Stadtverordnetenversammlung bin. Da ging es um die Vorbereitung des Festes unseres Ortsteils Danewitz am Wochenende, um die Sperrung der Wehrmühlenbrücke und die Bebauungspläne der Wehrmühle.

In Rüdnitz wurden wir informiert, dass in der Gemeinde diskutiert wird, eine KITA mit 200 Plätzen zu bauen. Dabei gehen einige davon aus, dass auch Kinder aus den Nachbargemeinden und der Stadt Bernau dieses Angebot nutzen würden. Ob das realistisch ist, sollte bevor man mit der Planung beginnt, wohl nicht nur in der Gemeinde, sondern auch mit den Nachbargemeinden besprochen werden.
Ein Bürger (der erste in den vergangenen drei Wochen) konfrontierte uns mit seiner Position zur Verwaltungsstrukturreform, die er rundum ablehnte, weil sie sein Leben verändern würde. Konkret befragt, was er meint, was sich ändern würde, sprach er allerdings nur über Gefühle und Glauben. Jeder Versuch es an den einzelnen Lebenswirklichkeiten zu überprüfen scheiterte. Da selbst die weiteren Gesprächsteilnehmer der Sprechstunde seine Positionen nicht verstehen konnten, blieb es beim Wortwechsel, leider keine Diskussion.

 

Heute Nachmittag ging es nach Potsdam. Gemeinsam mit vier Kolleginnen aus der Landtagsfraktion hatte ich mich bereit erklärt, aktiv am Kultursommer im Lothar-Bisky-Haus mitzuwirken. Wir hatten beschlossen eine Lesung zu gestalten. Leider musste unsere Kollegin Bettina Fortunato wegen eines kurzfristigen Wahlkampftermins absagen. (Aber sie versprach beim nächsten mal dabei zu sein) Dabei ging es uns darum, zu zeigen, auch für uns als Politikerinnen gibt es mehr als Politik. So wählte jede von uns Leseproben aus Büchern aus, die uns wichtig sind. Wichtig, weil sie uns zum Nachdenken oder auch zum Lachen bringen. Kathrin Dannenberg las aus der Biographie der Band „Die Ärzte“ und erzählte, warum sie vor allem ein Text noch stärker politisierte. Um dies zu unterstreichen zitierte sie diesen:

„Du bist wirklich saudumm
Darum geht's dir gut
Hass ist deine Attitüde
Ständig kocht dein Blut
Alles muss man dir erklären
Weil du wirklich gar nichts weißt
Höchstwahrscheinlich nicht einmal
Was Attitüde heißt

Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe
Deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit
Du hast nie gelernt dich zu artikulieren
Und deine Eltern hatten niemals für dich Zeit

Oh oh oh, Arschloch

Warum hast du Angst vorm Streicheln
Was soll all der Terz
Unterm Lorbeerkranz mit Eicheln
Weiß ich schlägt dein Herz
Und Romantik ist für dich
Nicht bloß graue Theorie
Zwischen Störkraft und den Onkelz
Steht 'ne Kuschelrock LP

Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe
Deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit
Du hast nie gelernt dich zu artikulieren
Und deine Eltern hatten niemals für dich Zeit

Oh oh oh, Arschloch

Weil du Probleme hast, die keinen interessieren
Weil du Schiss vorm Schmusen hast, bist du ein Faschist
Du musst deinen Selbsthass nicht auf andere projizieren
Damit keiner merkt was für eine arme sau du bist

Oh oh oh

Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe
Deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit
Du hast nie gelernt dich arti zu kulieren
Und deine Freundin die hat niemals für dich Zeit

Oh oh oh Arschloch, Arschloch, Arschloch

Es machte Gänsehaut.

Als zweites las sie einen Ausschnitt aus „Dritte Generation Ost“, der nach unserer Lesung zu einer interessanten Diskussion führte, wie unterschiedliche Generationen auf das Leben in der DDR zurückblicken und auch darüber, warum es so schwer ist, ein realistisches Bild über das Leben in der DDR zu vermitteln.

Anke Schwarzenberg machte mit ihrer Leseprobe aus „Zero“ von Mark Elsberg auf die Gefahren des Netzes aufmerksam. In diesem Buch geht es u.a. darum, dass durch die „Spurenverfolgung“ im Netz Persönlichkeitsprofile erstellt werden können, auf deren Grundlage Wahrscheinlichkeitsprognosen über die Entwicklung, also Zukunft des einzelnen Menschen erstellt werden könn(t)en. Dies hinterließ nicht nur bei mir ein ungutes Gefühl.

Diana Bader, Mutti von drei Kindern, las aus einem Buch, welches sie während ihrer Mutter/Kind-Kur gelesen hatte. Und zutreffender Weise erzählt es aus dem Leben einer Assistentin, die ihre Mutter- und Arbeitspflichten unter einen Hut bringen und sich bei der Kinderbetreuung auf ihren Mann verlassen möchte. Letzteres leider vergebens. Mit drei Auszügen aus diesem wunderbaren Buch von Susanne Föhlich „Frisch gemacht“, erzählte sie aus den Alltagserfahrungen einer jungen Mutti mit einem Augenzwickern, was uns nicht nur einmal zum Lachen brachte.

Mein Beitrag bestand aus zwei Episoden des Buches meines ehemaligen Fraktionskollegen Frank Hammer „Geschichten aus der Lobbingzeit“, die auf humorvolle Weise Alltagsbegebenheiten aus der Wendezeit beschreiben und so eine nicht verabredete andere Sicht auf Kathrins Auszug zur „Dritten Generation Ost“ war. Zum Abschluss las ich aus Günter Herlts „Flach, flacher, Flachbildschirm“ u.a. die fünf wichtigen Ratschläger, die er dem geneigten Fernsehzuschauer mit auf den Weg gib. Ich fasse mal kurz zusammen: 1. Machen Sie sich nicht zum „Müllschlucker“ der Fernsehsendungen; 2. Sehen Sie nicht nur was Sie sehen, sondern sehen Sie auch was Ihnen nicht gezeigt wird; 3. Nicht nur Fernsehen schauen, sondern auch Lesen und Gespräche mit anderen suchen; 4. „Lassen Sie ihre Kinder und Enkel nicht so oft allein vor dem Fernseher. Unterrichten Sie den Nachwuchs gelegentlich in Medienkunde, solange dies noch kein Pflichtfach in den Schulen ist.“ Abschließend fordert er uns auf, daran zu denken, dass die Sender nicht für aber von uns leben und endet: „Ansonsten gilt MOTZEN STATT GLOTZEN“.
Es war ein kurzweiliger Abend, bei dem auch ich meine Kolleginnen etwas mehr kennenlernen durfte.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 07. September 2017 um 09:20 Uhr