Startseite In der Presse 21.01.2018 alle Hoffnungen liegen auf Kurth
22 | 10 | 2018
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Melchow (MOZ) Der Eberswalder Daniel Kurth tritt als Kandidat der Barnimer Sozialdemokraten zur Landratswahl am 22. April an. Auf der Wahlkreisdelegiertenkonferenz der Partei am Sonnabend in Melchow wurde der 44-Jährige offiziell nominiert. Er erhielt 57 von 61 möglichen Stimmen.

Für die Sozialdemokraten ist der Gang zur Wahlkreisdelegiertenkonferenz an diesem Sonnabendvormittag ein schwerer. Es ist Tag fünf nach dem Tod des Panketaler Bürgermeisters Rainer Fornell. Eigentlich wollte dieser sich heute um das Mandat der Partei als Landratskandidat bewerben - mit besten Aussichten auf eine Nominierung. Doch Rainer Fornell starb am vergangenen Montag an einem Herzinfarkt. Seine Genossen sind geschockt. Sie würden viel lieber innehalten, um den Freund und politischen Weggefährten in Ruhe trauern, die Kandidatennominierung auf später verschieben. Doch sie haben keine wirkliche Wahl: Verzichten sie an diesem Wochenende auf die Bestimmung eines Kandidaten, ist die am 15. Februar ablaufende Frist zur Einreichung eines eigenen Wahlvorschlages kaum noch einzuhalten. Eine Landratswahl im Barnim ohne SPD-Kandidat? Nach 27 Jahren sozialdemokratischer Herrschaft im Kreis ist das für die meisten Genossen schlichtweg undenkbar.

"Bis heute weigere ich mich zu glauben, dass wir Rainer verloren haben", sagt Daniel Kurth an diesem Morgen. Als Landrat Bodo Ihrke, er und Rainer Fornell vor einem Jahr zusammen gesessen hätten, um darüber zu reden, wer die Nachfolge an der Spitze der Barnimer Kreisverwaltung antreten würde und der Panketaler sein Interesse bekundet hätte, habe er sich darüber gefreut. "Ich wollte, dass es Rainer wird, dass wir ihn heute als Kandidat nominieren", versichert Daniel Kurth.

Nun steht er anstelle Rainer Fornells vor den SPD-Delegierten, bittet um deren Vertrauen und seine Nominierung als Kandidat für "das wichtigste Amt im Barnim". Für den gebürtigen Eberswalder ist "Landrat im Barnim zu sein, die schönste Tätigkeit, die man sich vorstellen kann". Sein Weg bis zum Wahltag am 22. April werde nicht leicht sein, "auch, weil er einen so schrecklichen Ausgangspunkt hat", ist ihm klar. Gleichwohl kann sich der SPD-Unterbezirkschef wohl der tatkräftigen Hilfe seiner Ortsvereine sicher sein. Und er hofft auf "parteiübergreifende Unterstützung".

"Barnim - sozial gerecht, modern und grün" - dafür werde sich die SPD weiter stark machen, versichert Daniel Kurth. Seine Ausführungen zum Wahlprogramm werden nicht nur von den Delegierten, sondern auch von zahlreichen Besuchern aus anderen Parteien aufmerksam verfolgt. Mit der Parteivorsitzenden Kerstin Kühn, der Landtagsabgeordneten Margitta Mächtig und Kreistagsfraktionschef Lutz Kupitz sind gleich drei Barnimer Spitzen-Linke gekommen, um zu hören, was der neue SPD-Kandidat zu sagen hat. Die Übereinstimmung mit Positionen der Linken ist, beispielsweise was gleiche Bildungschancen für alle, die Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs oder die Förderung des sozialen Wohnungsbaus angeht, riesig. Außerdem steht am 14. März im Kreistag mit Holger Lampe ein Mitglied der Linke-Fraktion als Erster Beigeordneter zur Wahl, unterstützt von der SPD. Rainer Fornell als Landratskandidat hätten die Linken im Gegenzug mitgetragen. Ob sie auch zu Gunsten von Daniel Kurth auf einen eigenen Kandidaten verzichten, entscheiden sie am Freitag.

Ein klares Bekenntnis zur Zusammenarbeit mit den Linken, das sich der Bernauer SPD-Mann Josef Keil von Daniel Kurth als Antwort auf eine entsprechende Nachfrage erhofft, gibt es nicht. Immerhin sagt der Kandidat aber, er sei ein "Teamplayer" und werde im Falle seiner Wahl mit allen demokratischen Parteien im Kreistag reden. "Und wenn es dann auf eine rot-rote Koalition hinausläuft, dann ist das nichts Ungewöhnliches." Daniel Kurth wird am Ende mit 93,4 Prozent der Stimmen als Landratskandidat nominiert.

Auch Stefan Böhmer, Fraktionschef der Bündnisgrünen im Kreistag, ist nach Melchow gekommen, um sich über Daniel Kurth und seinen Stand innerhalb der SPD zu informieren. Die Barnimer Bündnisgrünen hätten nicht vor, mit einem eigenen Kandidaten anzutreten, sagt er. "Wir würden vielleicht auf einen Anteil von acht oder zehn Prozent der Stimmen kommen - da stellt sich auch die Frage, wie eine Partei mit ihren Ressourcen umgeht." Zudem gebe es aus seiner Sicht im Barnim keinen Bündnisgrünen, "der über ein so hohes Maß an Verwaltungserfahrung verfügt, wie es das Amt als Landrat erfordert". Und nicht zuletzt gehe es auch darum, die Kräfte im Barnim zu bündeln. "Wir wollen auf jeden Fall einen AfD-Kandidaten verhindern", erklärt Stefan Böhmer.

Alles scheint zur Landratswahl im Barnim auf ein rot-rot-grünes Bündnis hinauszulaufen.