Startseite In der Presse "Zugstopp für Zoo wäre super"
26 | 05 | 2018
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Sven Klamann / 20.02.2018, 21:30 Uhr

Eberswalde (MOZ) Ein Zugstopp am Zoo würde dessen Besucherzahlen deutlich in die Höhe schießen lassen. Davon ist Zoodirektor Bernd Hensch überzeugt, der mehrfach Anläufe unternommen hat, den einstigen Haltepunkt an der Bahnlinie wiederzubeleben. Jeder Einsatz dafür sei zu begrüßen.

"Was mehr als 60 Jahre lang wunderbar funktioniert hat, würde heute unter Garantie wieder klappen", sagt Bernd Hensch. Die am 3. August 1884 eröffnete und bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Betrieb befindliche Eisenbahnhaltestelle habe dazu beigetragen, dass der benachbarte Wasserfall und ab 1929 der Wildpark zum beliebten Ausflugsziel für die Berliner geworden seien. Der damalige Zugstopp am heutigen Zoo habe zum Aufschwung der gesamten Region beigetragen, hebt der Direktor hervor, der davon ausgeht, dass Vergleichbares wieder passieren könnte. Bis zu 100 000 Zoobesucher zusätzlich im Jahr wären seiner Ansicht nach realistisch, wenn Berliner ihr Auto stehen lassen und bequem mit dem Zug anreisen würden, ohne sich darüber Gedanken machen zu müssen, wie sie vom Bahnhof zum Zoo kämen, sagt Bernd Hensch. 2017 habe der Zoo etwa 270 000 Besucher angelockt.

Seine optimistische Einschätzung kommt nicht von ungefähr. Mindestens seit 2001 beschäftigt sich der Zoodirektor immer wieder einmal mit dem Projekt eines Zugstopps am Zoo. Damals war Bernd Hensch nebenbei schon Geschäftsführer für die Landesgartenschau in Eberswalde, die im Jahr darauf im dafür aus der Taufe gehobenen Familiengarten ausgerichtet wurde. "Wir hatten bereits zwei Brandenburger Minister als Unterstützer für das Vorhaben gewonnen und standen mindestens einmal kurz vor der Realisierungsphase", blickt der Zoodirektor zurück. Jedes Mal habe es das Projekt auf den Anfangsstatus zurückgeworfen, wenn die beteiligten Minister nach Regierungsumbildungen nicht mehr in Amt und Würden waren. "Wir haben viel Zeit und Kraft investiert und sind doch nie zum Ziel gekommen", bedauert Bernd Hensch, der inzwischen damit mehr als ausgelastet ist, zusammen mit der Pomerania die angestrebte Eiszeitpfad-Investition voranzutreiben. "Doch wenn es nicht nur Ideen, sondern auch einen ernsthaften neuen Anlauf für den Zugstopp am Zoo gibt, bin ich mit Freuden zumindest als Unterstützer dabei", verspricht der Zoodirektor.

Anfang des Monats hatte sich Matthias Manske aus Schönow, der bis in die 90er-Jahre bei der Reichsbahn tätig war und dessen Herz noch immer für die Schiene schlägt, mit dem Vorschlag zu Wort gemeldet, am Zoo in Eberswalde wieder einen zusätzlichen Haltepunkt zu errichten. Dies wäre eine effiziente Möglichkeit, Touristen in die Barnimer Kreisstadt zu locken, hatte er argumentiert und empfohlen, dass die Regionalbahn dort am Wochenende planmäßig und darüber hinaus bei Bedarf Stopps einlegen könnte.

Der Schönower hatte mit seinem Vorstoß auf die im Dezember vorigen Jahres erstmals öffentlich beschriebene Vision von Holger Kodim aus Berlin reagiert, die vor mehr als 20 Jahren stillgelegte Eisenbahnstrecke zwischen Eberswalde und Finowfurt zu reaktivieren. Und so schließt sich der Kreis: Holger Kodim, Mitbegründer einer Historischen Eisenbahnstiftung, hat mittlerweile auch mit Zoodirektor Bernd Hensch Kontakt aufgenommen und bescheinigt ihm, voll und ganz begriffen zu haben, welche Bedeutung die Finowfurter-Eberswalder-Eisenbahn für die touristische Entwicklung in der Region hätte.

"Es stimmt, gemeinsam mit dem Landkreis Barnim haben wir etwa von 1999 bis 2005 das Ziel verfolgt, eine Finowtaler Pferdebahn zu installieren, die in zwei Etappen zunächst vom Zoo zum Familiengarten und dann vom Familiengarten zur Luftfahrthistorischen Sammlung in Finowfurt führen sollte", berichtet Bernd Hensch. Es sei sogar schon ein Betreiber gefunden worden. "Wir haben erst aufgegeben, als die Deutsche Bahn die restlichen Schienen herausreißen ließ, weil der Stahlpreis nach oben gegangen war", sagt der Zoodirektor. Jetzt wäre der Aufwand für die Wiederbelebung der Strecke wohl zu hoch.

Kommentar: Spatz in der Hand

Die Idee, zumindest am Wochenende Züge planmäßig auf Höhe des Eberswalder Zoos halten zu lassen, ist plausibel. Und nicht nur das: Sie hat das Zeug, für Begeisterung zu sorgen. Zu ihren Befürworter gehören die einstigen Brandenburger Minister Alwin Ziel und Reinhold Dellmann (beide SPD), und der Eberswalder Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP). Unterstützung hatten im Laufe der Jahre überdies die Bundestagsabgeordneten Jens Koeppen (CDU) und Stefan Zierke (SPD) sowie die Landtagsabgeordnete Margitta Mächtig (Die Linke) signalisiert. Dass jetzt wieder über einen Zugstopp am Zoo diskutiert wird, nachdem das kühne Projekt schon seit Längerem in der Schublade verstaubte, ist das Verdienst der Visionäre, die über die Wiederbelebung der Eisenbahnstrecke von Finowfurt nach Eberswalde nachdenken. Die Haltestelle am Zoo wirkt im Vergleich zur Reaktivierung der Bahnlinie wie der Spatz in der Hand. Sven Klamann