Startseite Aus meinem Tagebuch 1. Mai - ich war dabei :-)
16 | 07 | 2018
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Der 1. Mai ist für alle, die für Frieden und Gerechtigkeit in der Gesellschaft sind eigentlich ein MUSS. Ja, eigentlich.
Seit Jahren zeigt sich, dass die Mehrzahl der Bevölkerung den Sinn dieses Tages in die Schublade der Geschichte gelegt hat. Vergessen der Kampf für gute Arbeit und gerechte Entlohnung, gegen Ausbeutung und Diskriminierung. Dafür Kleingarten,

Spazierengehen, Partyfeiern oder  „Couching“ und die eigene Unzufriedenheit im Internet runter schreiben.
Zu Wenige erkennen, dass diese Bundesregierung erst dann ihre Politik ändern wird, wenn die „Macht der Straße“ auch in den Parlamentsgebäuden unüberhörbar ist. Übrigens ein völlig menschlicher Zug. So lange sich bei über 80 Millionen Menschen in unserem Land "nur" einige Hunderttausend auf den Straßen und Plätzen treffen, um mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft einzufordern, kann die Bundesregierung in aller Ruhe so weiter machen, denn die Mehrheit schweigt.
Und viele machen es sich leicht, zu leicht.

Da sitze ich mit meinem „Sprechstunde unter freiem Himmel“-Tisch auf dem Marktplatz in Eberswalde und bekomme zu hören, dass man DIE LINKE ja nicht wählen könne, weil die Telekomstraße zwischen Eberswalde-Finow und Biesenthal immer noch nicht (wieder) gebaut sei. Jeder Versuch, ihm zu erklären, warum diese Straße bis heute nicht gebaut ist, verhallte im Lärm des Platzes. Für den Fragenden war klar: Alle sind schuld!

Oder eine Dame, die sich berechtigter Weise über die Benachteiligung der in der DDR geschiedenen Frauen beklagte und auf die oftmals schwierige finanzielle Situation hinwies. Und ja, ich stimmte ihr zu, dass es eine Lösung für diese Benachteiligung geben muss. Doch dann stellte sie den Gegensatz her, „wir kriegen nichts und die Flüchtlingen kriegen alles“. Jeder Versuch, ihr deutlich zu machen, dass das Ausspielen der einen Benachteiligten mit denen der anderen Benachteiligten (denn das sind Flüchtlinge für mich- heimatlos und oft auch perspektivlos) zu keiner Lösung führt oder auch die Frage, ob es ihr und den anderen Frauen besser ging, als die Flüchtlinge noch nicht da waren, blieb unbeantwortet, aber der Frust bleibt bei ihr und den vielen anderen.

Und so nutzt die Bundesregierung, was schon immer funktioniert hat: Der Kampf der Benachteiligten gegeneinander ist das sicherste Ablegungsmanöver gegen einen Kampf gegen die ungerechte Politik dieser Bundesregierung.

 

Aber der Höhepunkt war dann doch eine Dame, die mir erklärte, die AfD sei die einzig wahre Partei für das Volk und wir Altparteien könnten uns schon mal warm machen, was mit uns passiert, wenn die endlich an der Macht sind.
Deutlicher konnte sie nicht zum Ausdruck bringen, was diese Partei von Demokratie, Meinungsfreiheit, Respekt und Toleranz hält. Ob sie das aber wollte, wage ich zu bezweifeln!

In Bernau traf ich später viele mir vertraute und neue Gesichter und bei Gesprächen und Musik wurde es dann doch noch ein guter 1.Mai!
Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 13. Mai 2018 um 15:54 Uhr