Startseite In der Presse Ralf Christoffers: Bleibt er – oder geht er?
25 | 06 | 2018
Ralf Christoffers: Bleibt er – oder geht er? PDF Druckbutton anzeigen?
Ulrich Thiessen / 08.06.2018, 07:30 Uhr

Ralf Christoffers hält die Linken auf Regierungskurs / Ob er für den Landtag noch einmal antritt, ist offen.
Potsdam (MOZ) Die brandenburgische Linke stellte sich in diesem Frühjahr neu auf. Sie wählte erstmals zwei Frauen an die Spitze des Landesverbandes. Die Fäden werden aber von Fraktionschef Ralf Christoffers  gezogen – und seine Partei rätselt, ob er über 2019 hinaus seine Laufbahn verlängert.

Eigentlich schien die Karriere von Ralf Christoffers schon 2014 beendet. Die Linke ging zwar zum zweiten Male eine Koalition mit der SPD ein, musste aber einen von einst vier  Ministerposten räumen. Und zwar den des Wirtschaftsministers – das Amt, auf das Christoffers schon in der Opposition hingearbeitet und es dann ab 2009 mit Leidenschaft ausgeübt hatte.

Im Herbst 2014 saß Christoffers dann quasi auf der Hinterbank in der Fraktion. Als Fraktionschefin Margitta Mächtig aus Gesundheitsgründen ihr Amt aufgab, lief alles mangels Alternativen auf den Barnimer zu. Der ließ sich nicht über Gebühr bitten und ist seitdem die zentrale Figur der linken Regierungsgeschäfte.

Mitunter schien es, als ob er der einzige ist, der überhaupt noch regieren wollte. So forderte er vor einem Jahr in einer beispiellosen öffentlichen Meinungsäußerung die Koalition auf, an ihrem Erscheinungsbild zu arbeiten – eine mehr oder weniger verdeckte Kritik an der mangelnden Koordinierung durch die Staatskanzlei. Die größte Leistung, die Christoffers  – zusammen mit Finanzminister Christian Görke – vollbrachte, bestand darin, die SPD allein die Reißleine bei der geplanten Kreisgebietsreform ziehen zu lassen und trotz entsprechender Stimmen nicht vorher selbst auszuscheren und den Schwarzen Peter zu kassieren.

Unumstritten ist Christoffers in der eigenen Fraktion nicht. Das liegt auch daran, dass er nicht der größte Kommunikator ist. Für einige hat er angeblich zu viel Verständnis für SPD-Positionen und nutzt nicht deren Schwächen, um selbst zu punkten. Unumstritten ist aber auch, dass es ohne ihn in der Linken zurzeit nicht geht, zumindest nicht in Regierungsverantwortung. Das Machtzentrum bildet er zusammen mit Finanzminister Görke. Auch wenn beide nicht immer die dicksten Freuende sind, stimmen sie sich ab und versuchen auf einen Nenner zu kommen.

Bleibt die Frage nach dem zweiten Führungsduo: den beiden Frauen Anja Meyer und Diana Golze, die mit viel Vorschusslorbeeren im März zu Landesvorsitzenden gewählt wurden. Sie spielen kaum eine Rolle, heißt es in der Linken. Während Meyer zunächst in die Partei hinein wirken soll, waren von Golze die politischen Akzente erwartet worden. Die blieben bislang aus. Trotzdem wird die Sozialministerin als Spitzenkandidatin für die kommende Landtagswahl im Herbst 2019 gehandelt.

Während die Partei noch nach Wahlkampfthemen sucht und darüber diskutiert, ob sie für eine Fortsetzung der Koalition werben oder aber etwas frecher gegenüber der SPD im Wahlkampf auftreten soll, herrscht in einem Punkt bei den meisten Einigkeit: Sollte es zu Koalitionsverhandlungen kommen, egal in welcher Konstellation, wäre Christoffers ein Garant, Vertrauen aufzubauen. Entsprechend wird er gedrängt, eine Legislaturperiode dranzuhängen.

Der 61-Jährige hält sich zu seiner politischen Zukunft noch bedeckt. Eigentlich hatte er immer davon gesprochen, einem Generationswechsel nicht im Wege stehen zu wollen. Andererseits gilt er als jemand, der sich einspannen lässt, wenn die Partei ruft.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 24. Juni 2018 um 14:22 Uhr