Pressemitteilung des Ortsverband Barnim/Uckermark Betriebsgruppe Werk Eberswalde der EVG Druckbutton anzeigen?
Sonntag, den 26. Juli 2015 um 18:38 Uhr

Der Geschäftsführer für Finanzen im Systembereich hat offen und fair berichtet, sodass für uns erkennbar wurde, was gerechnet werden musste, und was nicht gerechnet werden durfte.
Da nennen wir mal einige Beispiele:

1.Es wurde kein „Best Case Szenario“ gerechnet und natürlich auch nicht bewertet. Das müsse erst von Herrn Fresenborg freigegeben werden. Das heißt:

Von einem wirtschaftlich denkenden Kaufmann nimmt man normalerweise an, dass er seriös alle(!) Varianten betrachtet und dann eine kluge Entscheidung fällt. Die Beschlussvorlage vom Oktober 2014 zeigte in drei Varianten, dass das Ergebnis zwischen einem Minusbetrag (beide Werke Zwickau und Ebw. bleiben erhalten), einem geringen Positivbetrag (Zwickau schließen Ebw. Redimensionieren)  und einem einstelligen positiven Millionenbetrag (beide Werke schließen) lag. Hier wurde sich dafür entschieden, gegen soziale Aspekte, gegen die Zukunft des Standortes, für die Schließung und einen höheren positiven Millionenbetrag.

2.Es wurde eine konzerninterne Verzinsung von 14% unterstellt, obwohl die internationalen Rating-Agenturen Standard & Poor's und Moody's die Kreditwürdigkeit der DB AG mit sehr guten Einstufungen bewerten. Bei der Analyse der Rating-Agenturen werden neben quantitativen Größen auch qualitative Faktoren wie etwa Branchenspezifika, die Marktposition oder das Produkt- bzw. Dienstleistungsportfolio des Unternehmens berücksichtigt. Die Kreditwürdigkeit der DB AG wird von den internationalen Rating-Agenturen Moody's und Standard & Poor's fortlaufend überprüft. Diese Rating-Einstufungen sind seit ihrer Erteilung im Jahr 2000 unverändert.

Die aktuellen Rating-Einstufungen spiegeln die hohe Kreditwürdigkeit der DB AG wieder: sie wird von Standard & Poor’s sowie Moody‘s mit AA eingestuft (Höchste Einstufung ist AAA)Dann wird zur Bewertung des Rechenmodells für Eberswalde, der sogenannte „private Investor Test“ gemacht. Vereinfacht ausgedrückt: Wie würde ein freier Investor entscheiden, der einen Haufen Geld vor sich auf dem Tisch liegen hat und überlegt, ob er ein Werk Eberswalde gründet?

Diese Methode hier anzuwenden ist völlig absurd und bei einem Dienstleistungsunternehmen innerhalb eines großen Konzerns gar nicht sinnvoll! Dann müssten noch mehr Werke der DB Fahrzeuginstandhaltung geschlossen werden.

3.In der Darstellung der möglichen Aufträge mit Dritten konnte der Vertrieb, der Fahrzeuginstandhaltung, in den letzten Jahren nicht das erreichen, was im Vorfeld erwartet bzw. geplant wurde. Für unsere Berechnung verlangt man, die unterschriebenen Aufträge mit dementsprechenden Fertigungsstunden sofort vorzulegen. Unsere Werkleitung hat, so sagte uns die Geschäftsführung, mit vielen Unternehmen sogenannte „Letter of Intent (LOI)“ schriftlich abgeschlossen. Zur Erläuterung, das sind Erklärungen, welche Geschäfte man zukünftig miteinander abschließen will. Weil aber nicht sein kann, was nicht sein darf, hat der Geschäftsführer allen Kunden noch einmal hinterher telefoniert und ist seltsamerweise zu einer völlig anderen Einschätzung gekommen. Die Werkleitung hat eine Steigerung der Aufträge mit Drittkunden von 40%, bezugnehmend auf die von DB International erstellte Güterwagenmarktanalyse, allerdings ausgehend von einem derzeit sehr geringen Außenumsatz,  angenommen.
Die Geschäftsführung hat daraus mal eben 11% gemacht. Begründung der Geschäftsführung: das sei so ein Gefühl und man sehe das anders als die in der Marktstudie aufgeführten Potenziale.

Gefühle und Sichtweisen gibt es verschiedene!

Es wurde ohne jegliche Aufträge aus der DB AG gerechnet.

Das ist völlig unrealistisch, dass die komplette Leistung ab Stichtag 01.01.2017 komplett  verlagert und an einem anderen Standort erbracht werden kann.

Þ    Bereits jetzt werden Aufträge von Unternehmen der Deutschen Bahn AG an Unternehmen außerhalb des Konzerns vergeben. Und für Eberswalde soll es keine einzige Fertigungsstunde geben?

Þ    Die mobile Instandhaltung (Full Service) , im eigentlichen Konzeptvorschlag enthalten, wurde bei der Fortführungs-Konzeption, von Seiten der Geschäftsführung, für das Werk Eberswalde nicht berücksichtigt, weder für das Inland noch für das Ausland, obwohl es eine der Hauptprämissen für das zukünftige verbesserte Geschäftsfeld der Fahrzeuginstandhaltung werden soll.

Þ    der Umbau der Güterwagen auf die „Flüsterbremse“ (welche in Zukunft Pflicht für alle Güterwagen werden soll) wurde im Fortführungsszenario der Geschäftsführung nicht berücksichtigt, auch nicht für bahnexterne Drittkunden.

Þ    ein Umbauprojekt (1.200 Wagen!!!) wird uns in unserer Fortführungskonzeption ebenfalls nicht erlaubt einzuberechnen, obwohl bereits jetzt klar ist, dass kein anderes Werk die ausreichenden Kapazitäten hat.

Þ    Nach unserem Wissen sollen im Werk Paderborn, die Kapazitäten von ca. 700.000 Fertigungsstunden auf 1.100.000 Fertigungsstunden erhöht werden. Dann müssten dort ca. 200 bis 300 neue Kollegen eingestellt werden. Wo sollen die denn herkommen? Und dann so schnell?

Þ    Und der Geschäftsführer hat sich bis heute geweigert mitzuteilen, wer das Umbauprojekt durchführen soll, sollte in ihrem Konzept mit nur einem Güterwagenwerk der „Worst Case“ eintreten.

Das Werk EBW besitzt die einzige Werkstatt für „Zug- und Stoßeinrichtungen“, sowie Puffer.

Þ    Es gibt bereits jetzt nur einen geringen Sicherheitsbestand für Puffer von Güterwagen, Reisezugwagen, Loks, ICE, bei DB Regio, DB Schenker usw.

Þ    Züge können wegen fehlender und defekter Puffer stehen bleiben

Þ    Schon jetzt ist es hart, der Auftragslage Herr zu werden, weil wir 150 Mitarbeiter-innen weniger zur Verfügung haben, durch die nach der Personalanpassung 2015 bereits abgebauten rund 100 Arbeitsplätze, sowie durch die Abwanderungen auf Grund des Schließungsbeschlusses.

Þ    Dazu kommt, dass immer mehr Drittkunden bei uns die Pufferinstandsetzung beauftragen.

Þ    Ein Migrationskonzept, in dem die Chancen und die Risiken, die Kosten und die Migrationszeitpläne hinterlegt sind, wenn unsere Werkstatt abgewickelt wird, gibt es nicht.


Es kommen bereits jetzt immer mehr Projekte, also spezielle Aufträge. Hier einige Beispiele:

Þ    Die für das oben benannte Umbauprojekt beauftragten 1200 Wagen müssten bis Ende 2019 gebaut werden, das wären ca. 420.000 Fertigungsstunden

Þ    Wir könnten 200 Wagen für ein ehemaliges DB Werk machen,

Þ    400 Wagen sollen in den Jahren 2016/2017 zu Containertragwagen umgebaut werden, ein zukunftsorientierter Güterwagen, dessen Bedarf mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in Zukunft immer mehr steigen wird

Þ    mit einem Bahn-externen Werk und einer ausländischen Bahngesellschaft könnten wir 54 Fahrzeige umbauen bzw. bauen (das wäre für 20 Kollegen ein Jahr Arbeit),

Þ    2017 bis 2019 könnten wir ein, dem im ersten Punkt erwähnten Umbauprojekt ähnelnden Auftrag von ca. 430 Wagen bearbeiten.

Allein damit hätten wir in den nächsten zwei bis drei Jahren gut zu tun. Das ist doch eine Auslastungsperspektive, von der andere Unternehmen nur träumen! Es glaubt doch kein Mensch ernsthaft, dass es im Anschluss keine folgenden Projektaufträge mehr geben wird.

Man hat das Gefühl, die Geschäftsführung will uns kaputtrechnen. Jeder vernünftige Kaufmann würde diese Aufträge erstmal mitnehmen und dann 2018/2019 überlegen und dann nach Auftragslage entscheiden. Wenn es dann tatsächlich finster aussehen sollte, vielleicht würde dann der ordentliche Kaufmann zu einem Schließungsbeschluss kommen. Aber soweit sind wir noch lange nicht.

Im Übrigen: diese Leistungen sind größtenteils nach der Beschlussfassung zur Schließung von Eberswalde aufgetreten.

Aber es ist nicht gewollt, diese mit einzuberechnen.

Auf die Kosten unseres 138 Jahre alten Traditionswerkes und deren Mitarbeiter-innen und Familien!

Ab den Jahren 2018/2019 besteht die Chance, dass die Ost-West-Verkehre, wie von den Kollegen der DB International, in ihrer vorhin schon erwähnten Marktstudie, vorhergesagt zunehmen. Und da liegt das Werk Eberswalde echt verkehrsgünstig. Aber auch dieses Gutachten der DB International zählt für die Geschäftsführung nicht. Es kam einfach zu unerwünschten Ergebnissen. Die Ost-West-Verkehre wurden also in den Planungen der Geschäftsführung nicht berücksichtigt.

Es gibt keine Berechnungen wo die Leistungen, die Eberswalde weggenommen werden sollen, genau hingehen werden. Wie dort die technischen und personellen Kapazitäten aussehen. Welche Kosten mit der Migration verbunden sind. Welche Kosten mit der Auflösung von Eberswalde verbunden sind etc. Hier wird, unserem Erachten nach, völlig blind gehandelt. Leider wäre es nicht das erste Mal in der Geschichte der DB AG. Es gibt keine Risikoabschätzung, keinen Kapazitätsnachweis, keinen Migrationspfad, kein „Worst Case Szenario“ für die Fahrzeuginstandhaltung, wenn die Schließung zu verminderter zeitgerechter Auftragsabwicklung führt, die Standzeiten und Pönalen sich drastisch erhöhen,  die dadurch steigende Unzufriedenheit zu Kundenverlust führt usw. Nichts dergleichen wurde uns vermittelt. Es gibt schon jetzt externe Kunden, die angekündigt haben ihre Aufträge, sollte das Werk Eberswalde schließen, nicht mehr an die Fahrzeuginstandhaltung GmbH / Deutsche Bahn AG zu vergeben.

Selbstverständlich brauchen wir auch die Kesselwagen als solides Standbein und selbstverständlich benötigen wir dazu die Förderung des Landes Brandenburg. Ohne dass wird es auch nicht gehen.
Das Ganze kommt einem vor wie ein Bericht aus Absurdistan und nicht aus einem seriös geführten Unternehmen. Hier geht es offensichtlich nur noch um die Gesichtswahrung der Führungsebene, die sich offensichtlich völlig verrannt hat. Es hat den starken Anschein, es geht auch um das Ego der ein oder anderen Führungskraft, die keine Fehler in den getroffenen Entscheidungen zugeben möchte und dadurch den Eindruck vermittelt, dass dieser ein oder anderen Person so ein Werk, mit seinen hunderten von Arbeitsplätzen und Familien, völlig gleichgültig ist! Keine sogenannte „Rechnung“ zu absurd und zu peinlich scheint, nur um einen Fortbestand dieses, unserem, fast 140 Jahre alten, aber modernen Instandhaltungswerkes zu unterbinden!

Kay Manteufel, Vorsitzender